Dienstag, 29. Oktober 2013

Livingstone nach Kapstadt

Ich hatte auf dem zweiten Teil der Reise weniger Zeit (und auch etwas Motivationsmangel) jeweils den Blog zu aktualiseren. Darum folgt hier nun ein Sammelartikel mit den restlichen Stationen.

Chobe River und Nationalpark

Nach den erholsamen Tagen in Livingstone fuhren wir auf direktem Weg nach Botswana. Der Grenzübergang Kazungula ist am Vierländereck von Sambia, Botswana, Zimbabwe und Namibia. Der Übertritt von Sambia nach Bostwana erfolgt mit einer Fähre, die jeweils zwei Lastwagen, ein paar Autos und so viele Fussgänger wie gerade warten, mitnehmen kann. Äusserst praktisch, wenn man an der unendlich langen Schlange von Lastwagen als Reise"truck" einfach vorbeifahren kann...

Sehr vertauenswürdig war die Fähre nicht, aber der Fluss lud eigentlich fast zum Baden ein. Wären da nur nicht die angeblich hungrigen Krokodile.

Der Tag war wegen den endlich kürzer werdenden Fahrten eher gemütlich, und am späten Nachmittag folgte dann die Bootsafari auf dem Chobe River. Die etwa dreistündige Rundfahrt erfolgte rund um die inzischen zu Bostwana gehörende Insel Kasikili. Neben Hunderten von Elephanten waren als "neue" Tiere ein paar sich sonnende Krokodile und für mich nicht identifizierbare Vögel zu sehen.


Da mein bisheriger Zeltpartner Dan in Livingstone in Richtung Johannesburg weiterreiste, hatte ich ab nun das Zelt für mich alleine und damit ruhigere Nächte.
Am nächsten Morgen folgte dann noch die "normale" Safari mit dem Jeep im Chobe Nationalpark. Es gab wiederum sehr viele Elephanten zu sehen, daneben aber auch den eher seltenen Honigdachs.

Gweta, Planet Baobab

Auf dem Weg nach Maun zum Okavango Delta machten wir auf dem Campingplatz Planet Boabab in der Nähe von Gewta halt. Ein Platz zum Entspannen, mit dem bislang saubersten Pool - mitten im Nichts wohlverstanden.

Wer sich an Le Petit Prince erinnert, der kennt vielleicht die Baobabs: riesige Bäume, die alles überleben (ausser den Menschen). Der ganze Campingplatz war als Referenz an Le Petit Prince gestaltet. Passenderweise war ich auf dem Kindle auch seit Livingstone dieses Büchlein am Lesen :-)


Maun

Auf dem Ausflug ins Okavango Delta war Maun praktisch unser Basislager. Das Spannendste, oder vielleicht auch Langweiligste, war für alle aber eigentlich nur der seit einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder einmal mit mehr als 0.5kbit/s funktionierende Internet-Zugang. Nach surfen, essen und schlafen war schliesslich umpacken angesagt: Zelte, Matten, Stühle, sämtliches Kochgeschirr, Essen und Trinkwasser vom Truck in vier Schnellboote.

Okavango Delta

Nach etwa einer Stunde Fahrt mit den Schnellboten auf dem Thamalakane River und Okavango River sind wir bei einem Dorf angekommen, an dessen Ufer sich die Grenze zum geschützten Bereich des Delta befindet und keine motorisierte Fortbewegung mehr erlaubt ist.

Also den ganzen Krempel umladen, denn weiter ging es mit den Mokoros. Eine Art Kanu, das mit langen Stangen durch das seichte Wasser gestossen wird. Die feuchten Schilfpflanzen, die einem immer entgegenschlugen sorgten für etwas angenehme Abkühlung von der bereits am Vormittag äusserst starken Sonne. Sonnencréme war also eigentlich Pflicht, nur Paul, unser harter "ich hab noch nie Sonnencréme gebraucht"-Neuseeländer hat trotz eindringlicher Warnungen von Frau und CEO verzichtet. Die Quittung kam prompt in Folge von Hitzschlag und einem Krebsroten Sonnenbrand. Bin ich jetzt böse kein Mitleid gehabt zu haben?

Unterwegs haben wir eine Plastiktasse im Wasser gefunden und, umweltbewusst wie wir waren, wollten diese einsammeln. Unser "Poler" (die Einheimischen die die Mokoros mit den Stangen fortbewegen) bestand darauf diese zu kriegen - offenbar hatte er gerade Durst, denn er Trank damit gleich ein wenig vom Flusswasser (das offiziell Trinkwasserqualität hat, aber für einen ungeübten Magen wohl trotzdem nicht unbedingt empfehlenswert ist).

Nach dem Mittagessen war eigentlich schon relativ bald die Safari - diesmal zu Fuss - im Delta geplant, wegen der Hitze haben wir das aber dankend auf den frühen Abend verschoben und schlugen die Zeit mit dösen oder dem zuhören der japanischen Variante von Arschlöchle tot.

Die Fusssafari war schliesslich was Tiere anging eher unspektakulär. Wir sahen einige Zebras aus grosser Entfernung und hörten einen Elephanten. Einmal in der Wildnis zu Fuss unterwegs zu sein, zeigte dafür aber andere Details wie Tierspuren, Hinterlassenschaften und Zeugen von früheren Zeiten als die Landschaft noch keine Landschaft sondern unter Wasser war. Highlight war eigentlich ein Stück des Weges im warmen 20cm tiefen Matsch zurückzulegen und den Angsthasen zuzusehen wie sie getragen werden mussten - es könnte ja irgendwas böses in dem Matsch leben :-)

Auf dem Rückweg nach Maun ist auf etwa der Hälfte des Weges der Motor unseres Schnellboots kaputt gegangen. Unsere "Oma" die in Livingstone zu Gruppe gestossen ist, hat das irgendwie nicht ganz mitgekriegt und hat dann fleissig Bilder von irgendwelchen Ziegen gemacht, die gerade am Ufer wo wir strandeten am Weiden waren. Nach einigen Minuten bedankte sie sich fürs Anhalten und meinte wir könnten nun weiter :-)


Ghanzi

Auf dem Weg nach Windhök in Nimibia machten wir unterwegs noch einen Halt in der Nähe von Ghanzi. Ein wunderbarer Campingplatz mit einem Baggersee - was für eine herrliche Erfrischung nach dem Matsch und Staub vom Okavango Delta.

Kulturell konnten wir von einer Gruppe Bushmen - Ureinwohner die in der Steppe leben - lernen, wie mit Kräutern aus der Steppe Kopfweh geheilt, Frauen fruchtbar und mit dem nächsten Gewürz abgetrieben werden kann...


Windhök

In Windhök verliess uns u.a. "Oma", und ein Paar reiste individuell weiter - so wie das Dani und Sandra im Herbst 2012 machten. Als Ersatz kamen ein paar neue Reisende hinzu.

Wir kamen an einem Samstagnachmittag in Windhök an und hatten leider kaum Zeit etwas zu unternehmen. Für einen kurzen Ausflug ins Zentrum hat es dann aber doch noch gelangt. Dort angekommen war das irgendwie surreal: die Stadt ist eigentlich ziemlich modern und fast westlich. Auf einem Parkplatz war dann aber der typische Sand dutzende Händler die ihren Kram am einpacken waren. Wir kamen etwa um halb vier ins Zentrum und es war fast komplett ausgestorben. Mehr als ein paar erstaunte Touristen und geschlossene Läden war weit und breit nichts zu sehen.

Erstmals war auch deutlich sichtbar, dass Namibia früher einmal als Deutsch-Südwestafrika bekannt war. Es waren deutsche Touristen anzutreffen (war vorher eigentlich nie der Fall), Bettler sprachen uns in Deutsch und erst danach in Englisch an (ich habe mich in Französisch unverständlich gestellt) und Strassennamen und Gebäude hatten deutsche Namen. Eher bizarr waren jedoch die nach Diktatoren benannten Strassen: Fidel-Castro-Street, Robert-Mugabe-Avenue, ...


Waterberg Plateau

Auf dem Weg von Windhök in Richtung Etosha-Nationalpark machten wir beim Waterberg Plateau halt. Das ist ein Gebirgszug der sich über winige Kilometer mitten in der Wüste erhebt und "oben" flach ist. Vom Campingplatz aus führte ein Weg auf das Plateau, von dem man ein fantastische Aussicht hat.

Der Weg war nicht sonderlich steil oder sonstwie beschwerlich, aber dennoch hat es unglaublich gut getan nach den langen Fahrten im Truck zu etwas Bewegung zu kommen. Die Abkühlung im Pool danach war ebenfalls unbezahlbar :-)


Etosha-Nationalpark

Zum Etosha-Nationalpark hatten wir alle eine grosse Erwartungshaltung, insbesondere nachdem wir in der Serengeti kein Nashorn gesehen hatten. Wir kamen am frühen Nachmittag im Park an und gingen gleich auf Safari, allerdings mit dem grossen Truck und nicht mit einem Jeep. Obwohl die Tiere an den Lärm von Autos gewöhnt sind, ist das nicht unbedingt das optimale Fortbewegungsmittel. Trotzdem sahen wir an den (künstlich angelegten) Wasserlöchern viele Tiere. Besonders lustig war es den Giraffen beim Trinken zuzusehen: langsam die Beine spreizen, eine Zeitlang saufen, dann mit einem Sprung wieder zurück in die normale Standposition.

Aus einiger Entfernung konnten wir sogar einen Kampf zwischen zwei Giraffen beobachten. Es war schon eindrücklich wie die ihre Hälse aneinanderschlagen. Einen endgültigen Sieger konnten wir nicht ausmachen, ich vermute es war eher ein Scharmützel als ein ausgewachsener Kampf um ein Revier. Wer das auf Film sehen möchte, hat die Chance dazu in einer eindrücklichen Dokumentation der BBC (war im August '13 auch auf SF1 zu sehen).

Den Abend der ersten Nacht verbrachten wir mit einer Nachtsafari. Hört sich spannend an, ist es aber nicht wirklich. Um dieTiere nicht in ihrem normalen Verhalten zu stören, wird nur ein Rotlichtscheinwerfer verwendet. Immerhin: wir haben das erste Nashorn zu sehen bekommen.
Am zweiten Tag folgten weitere Safaris mit dem Truck, vielmehr freuten wir uns aber auf die Übernachtung am Wasserloch des Camps. Etwa ein Drittel der rund angelegen Wasserstelle bildet den Rand des Camps mit einer niedrigen Mauer (und noch etwas Stacheldraht davor). Zwei Lampen bieten permanent genug Licht um die Tiere gut zu sehen.

Die Tiere in totaler Ruhe und mit viel Zeit beobachten zu können, war ein völlig anderes und viel eindrücklicheres Erlebnis als vom Auto aus. Das Beste war dann eine Gruppe Nashörner, darunter ein Junges. Nicht weniger spannend war die Austragung eines wer-blinzelt-zuerst Kampfes zwischen einem der Nashörner und einem der ebenfalls anwesenden Elephanten (das Nashorn hat gewonnen). Zum ersten Mal waren auch die Laute der Tiere hörbar die sonst im Umgebungslärm untergegangen sind.



Twyfelfontein

Auf dem langen Weg nach Swakopmund machten wir einen Zwischenhalt in Damaraland/Twyfelfontein. Der Name bedeutet so viel wie "zweifelhafte Wasserfontäne". Das Camp lag an einem ausgetrockneten Flussbett, das wie es der Name andeutet, nur sehr sporadisch etwas Wasser führt. In der Nähe des Camps liegt die Unesco Weltkulturerbestätte mit verschiedenen sehr gut erhaltenen, ca. 5000 Jahre alten Steinzeichnungen.

Die Zeit am Abend habe ich genutzt ein paar Postkarten zu schreiben. Zusammen mit der wöchentlichen Mephloquin-Dosis zur Malaria-Prophylaxe war das wohl etwas zu viel und ich bin früh ins Zelt.


Swakopmund

Swakopmund, auch bekannt als Adrenaline City, war mehr Ziel für Sport und Party als für Kultur. Um trotzdem noch etwas von Land und Leuten zu sehen, wurden wir auf eine Township-Tour geschleppt. Die Neugierde wie ein Slum von "innen" aussieht zu stillen war zwar irgendwie interessant, aber zugleich auch pervers. In einer grossen Gruppe mit teuren Kameras und Rucksäcken an den Leuten vorbei zu fahren und gleichzeitig zu sehen wie für Trinkwasser an einer Zapfsäule angestanden werden muss, passt einfach nicht.


Am zweiten Tag standen die individuellen Ausflüge auf dem Programm. Ich hatte mich am Vormittag für Sandboarding in der Wüste entschieden. Nach einer kurzen Fahrt vom Hostel in die Wüste hiess es erstmal Material fassen und die Düne zu besteigen. Nach etwas zu viel Party am Abend zuvor war das anstrengender als nötig... Oben angekommen gabs Instruktionen und Wachs für die Snowboards. Nicole und ich waren als Snowboard-erfahrene nicht weiter auf Hilfe angewiesen und unternahmen dann auch gleich die erste Abfahrt: fühlt sich an wie auf der Piste in sehr schwerem Sulzschnee. Leider ist das Vergnügen aber äusserst kurz, nach wenigen Sekunden ist man schon wieder am Fuss der Düne angekommen und der nächste Aufstieg beginnt. Ich frage mich ob das als Anfänger noch mehr Spass macht wenn man dadurch viel länger braucht bis man unten angekommen ist.

Als zweite Variante konnten wir noch auf biegsamen Holzbrettern eine etwas flachere Düne hinunterrutschen. Macht mindestens genauso viel Spass wie mit dem Snowboard und ist auf jeden Fall schneller: die Radarpistole der Veranstalter mass zwischen 70 und 80km/h!

Das ganze Sandboarding-Angebot war mit 400NAD (ca. 33 Fr.) für einen halben Tag, inkl. Mittagessen und, völlig unüblich, inklusive dem vom Veranstalter gedrehten Video, vergleichsweise günstig. Do!


Nach der Rückkehr ins Hostel gings mit einer 9er-Gruppe gleich weiter. Zu einem kleinen Flugplatz in der Wüste. Skydive! Während dem Warten auf das Flugzeug wurden alle anderen extrem nervös, fragten sich auf was sie sich eingelassen hatten und hatten fast panische Angst vor der umgebauten Cessna 206. Keine Ahnung warum, aber ich war völlig ruhig. Fliegen in der Cessna war ich von den zwei Flügen mit Roger wohl genügend gewohnt und sonst vielleicht einfach zu Müde um überhaupt nervös zu werden.

Der Sprung selbst war kurz, intensiv und bot eine tolle Sicht auf die Wüste und den Südatlantik. Im Vergleich zum Sandboarding mit ca. 200 Fr. ein teures, der Aussicht wegen aber trotzdem tolles Vergnügen.



Namib-Wüste



Sesriem Canyon

Von Swakopmund aus gings weiter in Richtung Süden. Den weiten Weg legten wir in drei Etappen zurück, wovon uns der erste Teil durch eine mondähnliche Gebirgslandschaft führte. Ansonsten gabs nicht viel zu sehen und ich habe den grössten Teil von John Grishams "A Time To Kill" gelesen, unterbrochen von einem kurzen Fotohalt an der Kreuzung von Strasse und dem südlichen Sonnenwendekreis (Tropic of Capricorn).

Der zweite Teil in Sesriem war da doch wesentlich spannender. Die kurze Wanderung im Sesriem Canyon liess erahnen mit welcher Kraft Wasser gegen Stein wirkt, wenn es denn einmal fliesst. Aber obwohl der Canyon mehrheitlich trocken ist, können dank den leicht kühleren Temperaturen und etwa Schatten von den Felswänden ein paar Bäume wachsen.

Beim Verlassen des Canyons haben einige von uns nicht den normalen Touristenweg eingeschlagen und haben stattdessen ein kleine Kletterpartie unternommen. Die Aktion war nicht ganz ungefährlich, hat aber Spass gemacht. (Und hat mir in Erinnerung gerufen dass ich meinen Klettergurt mal wieder brauchen sollte...)


Deadvlei

Nachdem wir unser Lager im Sesriem Desert Camp aufgeschlagen und zu Mittag gegessen hatten, starteten wir den Ausflug zur Deadvlei, einer Tonpfanne mitten im Sossusvlei-Wüstengebiet. Die Ebene, umgeben von den hohen Dünen, bot ein spektakuläres Panorama. Ein paar vertrocknete Bäume, die zur Zeit als der Tsauchab-Fluss noch durch die Ebene floss wuchsen, zeigen eindrücklich die unwirtlichkeit der Landschaft. Und dennoch: die Wüste lebt. Auf dem Weg zurück waren immer wieder Käfer zu sehen und vereinzelt Vögel, vermutlich auf der Jagd nach den aufgeschäuchten Käfern.


Dune 45

Der dritte Ausflug am nächsten Morgen begann, nach nun schon beinahe zwei Wochen regulärem Aufstehen, wiede einmal sehr früh. Um 5:15 sollte es zur berühmten Dune 45 losgehen. Die Verspätung durch die Frühausfstehunerfahrenen konnten wir unterwegs mit schneller Fahrt wieder aufholen und waren so doch noch die ersten an der Düne.

Etwas unüberlegt habe ich mich als erster auf den Weg zum Dünengipfel gemacht. Eigentlich hätte ich ja vom Sandboarding und dem Weg zum Deadvlei wissen müssen dass das keine gute Idee ist. Trotzdem habe ich dann etwa einen Drittel des Wegs geschafft bevor jemand anderes die Führung übernehmen musste. Den Rest des Wegs haben sich dann sechs Personen abgewechselt...

Rechtzeitig zum Sonnenaufgang waren wir alle auf dem Gipfel angekommen. Viele Bilder und Sprünge in den Sand später, machten wir uns auf den Rückweg. Einmal Düne hoch: ca. 30 Min. Wieder runter: maximal 5 Min. Spassfaktor: äusserst hoch :-)


Fish River Canyon

Von der Dune 45 aus ging es in einer ca. neunstündigen Fahrt weiter zum Fish River Canyon. Im Gegensatz zum Sesriem Canyon ist in einzelnen Abschnitten ganzjährig mindestens ein klein wenig Wasser, daher auch der Name. Wir konnten etwas abseits von einem Aussichtspunkt aussteigen und dann gemütlich zum Aussichtspunkt zurücklaufen, wo der Sonnenuntergang auf uns wartete.

Da es schon spät war, haben wir gleich vor Ort gegessen. Als Belohnung (für die miesesten Spaghetti ever) konnten wir mangels künstlicher Lichtquellen und dem klaren Wetter einen wunderbaren Sternenhimmel bestaunen.



Orange River

Der erste Halt in Südafrika war kurz nach der Grenze zu Namibia. Der Grenzübergang war ernsthaft kontrolliert und modern, und ebenfalls auffällig westlich präsentierte sich das Roaming-SMS von Swisscom: nur noch 29 Fr. für 50MB statt 149 Fr. für 10MB (!). Je weiter wir in den Süden kamen, desto grüner wurde die Landschaft. Wie die Wirtschaftskraft von den landschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst wird, zeigt sich hier besonders deutlich.

Unser Camp lag direkt am Orange River und wir konnten die Zelte auf Rasen aufschlagen. Am Nachmittag unternahm ich mit ein paar anderen noch einen Kanu-Ausflug auf dem Fluss.



Cederberg

Die letzte Nacht im Zelt verbrachten wir in Cederberg auf einem Weingut. Auf einem Weingut darf eine Weinprobe natürlich nicht fehlen, ideal um den passenden Wein für das Nachtessen aus der Winzerküche auszuwählen.

Am Morgen begrüsste uns der Sonnenaufgang mit einem glutroten Himmel.



In und um Kapstadt

Nach Reiseprogramm wäre eigentlich eine gemütliche Fahrt von Cederberg nach Kapstadt mit Ankunft am späteen Nachmittag geplant gewesen. Da wir aber alle lieber früher in Kapstadt ankommen wollten anstatt irgendwo in der Wüste zu Mittag essen, gab es Sandwiches.

Das hat sich gelohnt, konnten wir doch so eine kurze Pause am Table View Beach einlegen. Der Strand heisst nicht umsont so, im Hintergrund ist in perfekter Foto-Grösse der Tafelberg zu sehen. Der weisse Sandstrand lädt veführerisch zum Baden ein, aber schon nur einen Schritt in das eiskalte Atlantikwasser zu machen fällt schwer.

Tafelberg (24.10.)

Wir kamen früh genug in Kapstadt an, damit wir noch am selben Nachmittag auf den Tafelberg konnten. Sportlich wie wir waren natürlich nicht mit der Seilbahn, sondern zu Fuss. Für den Weg nach oben nahmen wir zu viert den Platteklipp Gorge in Angriff. Die Zeitangaben waren doch ziemlich widersprüchlich:
  • Lonely Planet: 2.5h
  • G-Adventures Reiseleiterin: ca. 1.5h
  • Hinweistafel am Beginn des Wegs: 2h
  • Real (für Schweizer und Schweden): 50 Min mit Fotopausen.
Auf dem "Tisch" angekommen bot sich uns eine herrliche Sicht auf die Stadt bei bestem Wetter. Wie sichs später herausstellte hatten wir genau die richtige Entscheidung getroffen an diesem Tag zu gehen, denn der Berg war später meistens in den Wolken.


V&A Waterfront, Innenstadt (25.10.)

Nach dem Bezug des Hotels für die restlichen Tage in Kapstadt habe ich mich bei der Victoria & Albert Waterfront mit Nicole zu einem Stadtrundgang getroffen. Die V&A Waterfront ist ein etwas ausserhalb des Zentrums, aber trotzdem noch in Gehdistanz gelegener, ehemaliger Industriehafen. Dieser ist stilvoll zu einem riesigen Shoppingviertel umgebaut worden. Zahlreiche grössere und kleine Läden, das Robben Island Museum, Restaurants und Cafés buhlen um die nicht nur aus Touristen bestehende Kundschaft. Von der unterschiedlichen Kunst und Grösse einmal abgesehen, ist nicht wirklich ein Unterschied z.B. zum Shoppi oder der Sihlcity festzustellen.

Die Innenstadt wird von zahlreichen Wolkenkratzern geprägt, die von älteren bauten umgeben sind. Parallel zu den Haupt-Shpping- und Partystrassen verläuft ein grosser Park, die Company's Gardens. Eine Oase der Ruhe in der sonst hektischen Stadt.


Cape Point (26.10.)

Für das Wochenende haben wir uns ein Auto gemietet um einige Sehenswürdigkeiten ausserhalb von Kapstadt zu besuchen. Die erste kleine Herausforderung dazu war eine Vermietung zu finden, die ein Auto zur Verfügung hatte und nicht auf einem Selbstbehalt bestand - es herrscht schliesslich wie in ganz Afrika Linksverkehr. Bei Avis wurden wir fündig.

Die ersten Meter auf der für uns falschen Strassenseite konnte ich zum Glück auf ein paar Nebenstrassen fahren. Schon bald musste ich aber um unser erstes Ziel, Hout Bay, zu erreichen auf die am Tafelberg vorbeiführende Hauptstrasse. Ausser dass ich für die Locals wohl ein wenig zu langsam fuhr, ging zum Glück alles gut.

In Hout Bay haben wir einen kleinen Kunstmarkt besucht, der fast alles was wir bereits unterwegs gesehen hatten, noch einmal konzentriert anbot. Praktisch wenn man auf dem Weg etwas nicht kaufte und es dann bereute oder einfach nicht schleppen wollte. In der gleichen Halle gabs es auch noch einen Food-Market, ähnlich wie in der Berner Markthalle, wo wir zu Mittag assen.

Weiter ging es, unterbrochen von diversen Fotostops, zum Cape Point, dem südlichsten Punkt der Cape Halbinsel. Dort angekommen begaben wir uns als Erstes zum alten Leuchtturm. Wegen des dichten Nebels war aber kaum etwas zu erkennen. Je nach Wind konnte man aber doch die Höhe der steilen Felswände erahnen.

Beinahe schon auf dem Rückweg fanden wir aber noch eine Abzweigung zum noch ein wenig südlicher und tiefer gelegenen neuen Leuchtturm. Der Weg befindet sich auf der Ostseite der Landspitze, der, verglichen mit dem rauen Atlantik, viel ruhigeren und wärmeren False Bay zugewandt. Direkt neben dem Weg trafen wir auf eine Art Murmeltier, bevor wir bei einer sonnigen, kleinen Aussichtsplattform ankamen. Von dort hat man einen guten Ausblick auf die Klippen neben dem alten Leuchtturm und das Ende der Landspitze. Warum der neue Leuchtturm erbaut wurde, ist an dieser Stelle offensichtlich: der Alte war schlicht zu weit oben gebaut und häufig im Nebel, womit er seine Aufgabe nicht mehr erfüllen konnte.

Auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt war im Meer in einiger Entfernung etwas undefinierbares zu erkennen. Erst dachten wir es wären ein paar gerade noch unter der Wasseroberfläche gelegene Felsen. Nach einiger Zeit war jedoch deutlich erkennbar, dass sich das "Ding" bewegte. Als es schliesslich näher zum Ufer kam, war gerade so erkennbar, dass es sich um einen grossen Schwarm Delphine handeln musste.

Zurück beim Parkplatz entschieden wir uns, noch zu Fuss zum Kap der guten Hoffnung zu gehen. Die Landschaft entlang des Wegs unterscheidet sich zum Teil erheblich, bietet aber jederzeit eine atemberaubende Aussicht. Um von den Klippen noch bis ans Meer hinabzusteigen hat uns leider die Zeit nicht mehr gereicht - wir mussten vor 18 Uhr den Bereich des Nationalparks verlassen (oder eine auch für unsere Verhältnisse nicht günstige Busse zahlen).

Zurück in Richtung Kapstadt machten wir Halt in Simonstown. Die Ortschaft ist für ihre Pinguinkolonie bekannt, der einzigen in Südafrika. Da wir eher schon spät unterwegs waren und auch nicht wirklich "Pinguinsaison" war, hatten wir fast schon die Hoffnung aufgegeben einige Pinguine zu sehen. Wir hatten jedoch Glück und konnten auf einem Schleichweg, am offiziellen Besucherzentrum vorbei, zu einem Strand gehen. Hinter den Felsen am Rand des Strandes sahen wir dann die Ersten, und als wir auf die Felsen kletterten dutzende :-)

Die Viecher waren ziemlich zutraulich und lassen sich durch nichts erschrecken. Für die lokale Bevölkerung wird das daher offenbar immer mehr zu einem Problem, auch wenn die Pinguine dank der vielen Touristen für Wirtschaftsaufschwung sorgen.


Hermanus (27.10.)

Am zweiten Ausflugstag mit dem Auto waren wir etwas früher unterwegs um nach Hermanus, einem für Walewatching bekannten Städtchen südtöstlich von Kapstadt und der Westküste der False Bay, zu fahren. Der kurvenreichen Strassen dorthin führte grösstenteils der Küste entlang und bot fast immer eine tolle Aussicht. Wir machten an jedem zweiten Strand eine Pause um das schöne Wetter und die Natur im Allgemeinen geniessen zu können.

In Hermanus kamen wir deshalb erst am Nachmittag an und suchten, inzwischen hungrig, ein Restaurant mit Meerblick. Wir wurden schnell fündig, Wale konnten wir aber leider nicht sehen. Stattdessen entdeckten wir vom sicheren Küstenweg aus zwei riesige Quallen im Wasser...

Wieder in Richtung Norden fuhren wir auf einem Weg etwas weiter im Landesinnern. Ziel war Franschhoek, ein Winzerstädtchen, das aber mehr für seine gute Küche bekannt ist. Um dort hinzugelangen mussten wir über einen Pass fahren, auf dessen Höhe wir, gerade noch vor dem Einbruch der Dunkelheit, das ganze Weinanbaugebiet rund um Franschhoek bestaunen konnten.

Beim Auskundschaften der Restaurants entlang der Strasse im Stadtzentrum verifizierten wir die Wahl des unter grossen Platanen gelegenen Gartenrestaurants mit den TripAdvisor Bewertungen und wurden nicht enttäuscht. Für gemeinsam rund vierzig Franken erhielten wir ein Dreigang-Menü mit Getränken welches man sicherlich der haute-cuisine zuordnen kann.

Am frühen Montag Morgen war ich dann froh das Auto nach zwei Tagen Fahrt auf der falschen Strassenseite unfallfrei abgeben zu können :-)


Robben Island (28.10.)

Ein Besuch von Robben Island darf bei einem Aufenthalt in Kapstadt natürlich nicht fehlen. Die Gefängnisinsel und langjährige "Heimat" von Nelson Mandela und vielen anderen namentlich nicht international bekannten Anti-Apartheidskämpfern, liegt eine knappe Stunde mit der Fähre südlich von Kapstadt. Ein Besuch ist nur mit einem Kombiticket für die Fähre und einer Führung erhältlich. Die Führung war grösstenteils interessant, aber es war schade, dass man sich nicht frei bewegen konnte sondern nur in Bussen umhergekarrt wurde. Nach Auskunft des Guides ist das ein häufiger Wunsch und seinen Aussagen zu Folge sollte es seit Dezember 2013 möglich sein sich mindestens teilweise frei zu bewegen.


Lions Head (29.10.)

Am letzten Tag in Kapstadt haben Nicole und ich noch den Lions Head erklettert. Via Bo-Kaap, dem nicht mehr ganz so vertrauenswürdigen Stadtteil mit den bunten Häusern, sind wir erst zur Noon Gun. Das ist eine Kanone, die seit Jahrhunderten täglich exakt um 12 Uhr mittags blind gezündet wird. Das diente früher zur exakten Zeitbestimmung für die Schiffe im Hafen, heute ist es nur noch eine Tradition. Im Gegensatz zu den Kanonen in Halifax sind die in Kapstadt gleich alt wie die Tradition und somit nie ersetzt worden, dafür aber inzwischen elektrisch ferngezündet.
Von den Wiesen rund um die Noon Gun und die früheren Standplätze der Verteidigungskanon hat man fast die ganze Stadt im Blick, in Richtung Norden insbesondere das Fussball-Stadion der WM 2010.

Via Signal Hill, dem "Rücken" des Löwen, gingen wir dem "Nacken" entlang zum Fuss des Lions Heads. Die Figur des Löwen kann man sich vom Tafelberg aus herabblickend gut vorstellen: Lions Head, ein mit gut 600 m immer noch recht hoher Felsenturm, der auf einem etwa 200 m hohen und leicht geschwungenen Berg steht.

Der Weg auf den Gipfel war anstrengender als wir dachten, aber trotzdem sehr gut begehbar. Für mich war etwas Anstrengung sowieso passend um auf dem Nachtflug zurück schlafen zu können.


Ende

Das Flugezug war auf dem Rückflug höchstens zu einem Drittel gefüllt und ich konnte mich ausbreiten. Das Schönste an der ganzen Reise war aber eigentlich für einmal nicht alleine den Flughafen zu verlassen. Danke Roger fürs Abholen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen