Flughafen
Vor gut einem Monat brach auf dem Jomo Kenyatta Flughafen ein Grossbrand aus, welches das Terminal für internationale Flüge komplett zerstört hatte. Die üblichen Tipps vom Lonely Planet- und Tripadvisor-Forum, wie man zu Visa, Kenia-Shilling und Taxi kommt, waren damit hinfällig. Eine BBC-Reporterin die kurz nach dem Brand für eine Reportage hier ankam, beschrieb die Situation aber als gut organisiert: alles würde jetzt in Zelten abgewickelt und man käme sich vor wie auf einer Hochzeitsparty.
Nach dem ruhigen Swiss-Flug LX292 sah man dann bereits von der Piste aus das abgebrannte Flughafengebäude und die erwähnten weissen Zelte. Anstatt, wie wohl normalerweise üblich, über Landebrücken, wurden wir mit wohl irgendwo angemieteten Bussen zu einem anderen Teil des Flughafens mit noch mehr weissen Zelten gebracht. Das grösste davon war mit „International Arrivals“ angeschrieben. Im Innern wurden an vier improvisierten Schaltern die cash zu bezahlenden Visa ziemlich speditiv ausgestellt und ein an der Decke aufgehängtes Schild sagte: „Sorry for the incovenience“.
Einige Meter dahinter konnten dann schon die Koffer bereits wieder auf einem Rollband entgegengenommen werden und der Flughafen ohne weitere Kontrollen, wie im BBC-Bericht als mühsam und langsam erwähnt, verlassen werden. Auf dem Parkplatz ausserhalb dann weitere Zelte im Stil von Marktbuden für Taxis, Verpflegung und Geldwechsel.
Ich kann mich dem Eindruck nicht verwehren, dass nun aufgrund des Brandes alles schneller und speditiver abgelaufen ist, als das sonst der Fall gewesen wäre. Entweder es war einfach nicht viel los, oder die Kenianer gehen einfach äussert souverän mit der Situation um. Umstände für die es sich zu entschuldigen gäbe, gab es jedenfalls keineswegs.
Hotel
Im Hotel dann an der Réception die nächste Überraschung: „I’ve given you an upgrade to an executive room!“ J
Das Hotel braucht sich keinesfalls vor einem Viersterne- der Schweiz oder Fünfsterne-Hotel in Ägypten zu verstecken – im Gegenteil. Super freundliches Personal, sauber, modern eingerichtet, kaum lärm von ausserhalb (die Zimmer sind ziemlich ringhörig) und mit einem Wasserkocher im Zimmer. Womit sich das Thema Trinkwasser dann auch gleich erledigt hatte.
Innenstadt
Nairobi gilt ja gemeinhin als eher gefährliche Stadt. Die Innenstadt zwischen University Way im Norden, Moi Avenue (und vermutlich auch noch die ein zwei Strassen weiter) im Osten, Haile Selassie Avenue im Süden und dem Uhuru Highway im Westen ist aber tagsüber durchaus sicher genug um sie zu Fuss zu erkunden.
Nach etwas ziellosem Herumlaufen bin ich zum Kenia International Conference Center. Für 400 Ksh (ca. 4.20 Fr.) kann man dort auf das Dach des 105m hohen Turms (etwa gleich hoch wie der Basler Messeturm). Das Helipad bietet eine tolle Aussicht auf die ganze Stadt, bei klarerem Wetter laut Reiseführern auch bis zum geschätzt ca. 100km entfernten Mount Kenia.
Nach dem Mittagessen habe ich mir im Nationalarchiv etwas Kunst und tausende Briefmarken angesehen, bevor ich zur Gedenkstätte des Bombenanschlags auf die amerikanische Botschaft am 7. August 1998 weiterging. Beim Anschlag mit einer Lastwagenbombe wurde das Gebäude einer Kooperative zum Einsturz gebracht und das offenbar speziell stark gebaute Botschaftsgebäude stark beschädigt. Auf dem Grundstück dieser beiden Gebäude ist heute ein kleiner Park mit einer Gedenktafel, Brunnen und einem Informationspavillon.
Der Zugang zum Informationspavillon kostet Eintritt und die Dame am Empfang fand gerade das Wechselgeld nicht. Sie versprach mir das beim Gehen zu geben und ich hatte das irgendwie schon abgeschrieben. Eine gute Stunde und eine Doku („Seconds before the Explosion“ von National Geographic) später hatte ich das Wechselgeld (50 Rappen) längst vergessen und war am Gehen, als sie mir dann Nachrief ich hätte das nun eben noch zu gut. J Das soll einem mal bei uns passieren…
Obwohl man in dem Park den Lärm der Moi Avenue gut hört und für die relativ kleine Fläche sehr viele Leute dort sind, ist er doch eine Oase der Ruhe inmitten einer geschäftigen Grossstadt. Unter den Bäumen und einigen Pavillon-Zelten werden Meetings abgehalten, Hausaufgaben (?) gelöst oder einfach die Zeit genossen. Ich habe dort noch etwas in 1984 weitergelesen und dabei realisiert, dass ich zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder Ferien habe. Richtige Ferien. D.h. ohne irgendwie im Hinterkopf zu haben, dass ich doch eigentlich für Prüfungen lernen, an irgendwelchen FH-Projekten arbeiten oder sonst irgendwas tun sollte. J
Nach einem Café im The Stanley bin ich gegen 18 Uhr wieder zurück ins Hotel gelaufen. Obwohl die Sonne gerade erst am Untergehen war, war die Stadt bereits deutlich ruhiger und wirkte bedrohlicher. Eine halbe Stunde später hätte ich nicht mehr alleine unterwegs sein wollen…
Ausflugsziele in der Nähe
Am Sonntag bin ich noch ins „African Fund for Endagered Wildlife“ Giraffe Center, ins Karen Blixen Museum und das „Mamba Village“.
Das Giraffenzentrum war ganz lustig – die Viecher mit Pflanzenpellets zu füttern hat Spass gemacht. Und im Gegensatz zu den Zoos in Riga oder Magnetic Hill, Kanada, hatte ich auch nicht den Eindruck, dass es den Tieren dort schlecht ging. Sicher, freies Leben und damit artgerechte Haltung ist etwas anderes, aber immerhin genug Fläche um sich frei zu bewegen und vollständig von den Besuchern zurück zu ziehen. Die 1000 Ksh Eintritt waren damit zwar auch teuer, aber wenigstens kommen sie wohl mehrheitlich einem guten Zweck zu.
Das Karen Blixen (die Autorin von Out of Africa) Museum war ganz nett anzusehen und mit einem netten Park rundherum. Der Eintritt von 1200 Ksh empfand ich aber als Abzocke und wer nicht Fan von Film oder Buch ist, kann sich den Besuch auch sparen.
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