Digby nach Moncton
Annapolis Royal
Erste Station war Annapolis Royal, eine Kleinstadt noch recht nahe bei Digby. Dort gab es einen grossen Garten, ein altes Fort und ein Gezeitenkraftwerk zu besichtigen. Der Garten wäre im Sommer sicher toll gewesen, aber zu dieser Jahreszeit waren es dann nur noch ein paar Dalien. Immerhin war der Eintritt entsprechend reduziert.
Das Fort in der Nähe eines Flusses hat einen ganz eindrücklichen Garten, ist aber im Endeffekt keinesfalls mit den Citadellen von Halifax oder Québec zu vergleichen. Den Besuch des Museums habe ich mir gespart - das hätte Eintritt gekostet für vermutlich langweilige Texttafeln.
Im Gezeitenkraftwerk, das gleichzeitig auch das Visitor Information Center von Annapolis Royal ist, habe ich eine kleine Führung erhalten. Das Ding wurde in den 80er als Prototyp gebaut, basierend auf einem schon bestehenden Deich der einen Fluss von der Bay of Fundy abschirmt. Mit der Kraft der Gezeiten, die in der Bay of Fundy die grössten der Welt sind, wird das Bassin bzw. der Fluss oberhalb des Damms gefüllt und durch dann durch eine Turbine (selbstverständlich aus der Schweiz, aber nicht ABB) wieder abgelassen.
Das ganze wird bei diesem Prototyp bleiben, denn durch die Gezeiten wird normalerweise jede Menge Geschiebe mittransportiert und alles verstopft und abgeschliffen. Der Seitenarm im Annapolis Valley bildet da eine Ausnahme. Ausserdem verursacht die Dammkonstruktion natürlich massive Umweltschäden, vergleichbar mit einer normalen Staumauer. Die Gezeiten sollen aber natürlich trotzdem noch genutzt werden, allerdings mit Propellern die mehr oder weniger freistehend auf dem Meeresboden platziert werden.
Wolfville
In Wolfville habe ich eine kurze Pause zum Mittagessen gemacht - Tortilla gefüllt mit Poulet, Brie und Mango - und um ein paar der Pumpkin People zu fotografieren.
South Maitland
Angeblich soll man in South Maitland besonders gut Gezeitenwellen beobachten können. Da es am mehr oder weniger am Weg lag, wollte ich das dann auch mal noch sehen. Allerdings war das dann doch eher getreu dem Motto des englischen Namens (Tidal Bore) ziemlich boring: ausser dem relativ schnell steigenden Flusspegel passierte rein gar nichts. Immerhin hatte ich ein nettes Gespräch mit zwei Australiern die von Vancouver her kamen und noch nach Boston weiterreisen.
Den restlichen Weg nach Moncton bin ich dann über den Highway da es doch schon spät war. Unterwegs habe ich einen der wohl buntesten Sonnenuntergänge überhaupt gesehen. Leider ohne brauchbares Bild, es war etwas schwierig während dem Fahren mit 120km/h die Kamera zu bedienen...
Moncton nach Fredericton
Die Strecken bin ich jeweils über den Highway gefahren da es unterwegs entweder nichts besonderes gab (Saint John nach Fredericton) oder ich schon dort war (Hopewell Rocks, Bay of Fundy Nationalpark).
Saint John
Eine kleine Hafenstadt wo unter anderem auch die Fähre von Digby ankommt und diverse Kreuzfahrtschiffe halt machen. Die Stadt hat ein typisch amerikanisches Strassenlayout mit diversen Häuserblocks, ein paar davon sind relativ lieblos gestaltete Parks. Ganz interessant war die Markthalle mitten in der Stadt. Rundherum sind diverse Shoppingcenter angeordnet, die Stadtbibliothek und eine Museum. In einem Café hatte ich ein etwas spezielles, aber gutes Mittagessen: gebratene Wassermelonen mit Ziegenkäse und grünem Salat.
Alles in allem ging es mir dort aber ähnlich wie in Halifax: ich wusste nicht so recht was ich in der Stadt tun soll und es hat mich weitergetrieben.
Fredericton
Fredericton ist die Hauptstadt von New Brunswick und irgendwie kam es mir so vor als wäre es ähnlich wie die Beschreibungen die ich von Ottawa gehört habe: Regierungsgebäude aber sonst nichts los. Insgesamt machte es aber trotzdem einen sympathischeren Eindruck als Saint John. Das besuchte Kunstmuseum hatte zwei Drittel der Ausstellungen geschlossen und der Rest war bis auf die Mini-Sammlung von zeitgenössischen Künstlern aus New Brunswick zwar sicher wertvoll, aber düster.
Das HI-Hostel war dann ähnlich bizarr wie in Miramichi. Es ist zwar ganzjährig geöffnet, aber die meisten Zimmer sind an Studenten vermietet. Alles war ziemlich düster und das Badezimmer dreckig obwohl ich vermutlich der einzige Hostelgast an diesem Tag war.
Fredricton nach Rivière-du-Loup
Den grössten Teil der Strecke habe ich ebenfalls wieder auf dem Highway zurückgelegt. Unterwegs wollte ich mir dann noch Kings Landing ansehen, angeblich eines der Highlights in New Brunswick, aber selbstverständlich: 'Closed for the Season'. Das Potato Museum? 'Closed for the Season'. Gemäss einem nur ein Jahr alten Lonely Planet hätte es noch bis Ende Oktober offen haben sollen, und gemäss Homepage bis Mitte Oktober. Der 11. Oktober ist aber natürlich bereits 'Mitte'...
Weiter unterwegs gab es dann eigentlich nur noch die Hartland Covered Bridge und den Wasserfall in Grand Falls zu sehen.
Direkt nach der Provinzgrenze von New Brunswick nach Québec hörte der vierspurige Highway 185 fürs Erste auf. Allerdings wird in Québec fleissig am vierspurigen Ausbau gearbeitet. Für etwa eine halbe Milliarde Dollar. Wald? Wen interessiert der schon. Bauernhof? Erst recht nicht. Dörfer oder Häuser? Zügeln. Vielleicht. Berge? Sprengen. Ein Tal? Auffüllen, für irgendwas wurde ja der Berg gesprengt. Ein Fluss? Tunnel oder umleiten. Ich habe noch nie eine dermassen verunstaltete Landschaft gesehen.
Und wozu das ganze? Damit nun vierspurig mit 90km/h geschlichen werden darf...
Rivière-du-Loup und Nationalpark Bic
In Rivière-du-Loup habe ich meine vorerst letzten Nächte in einem gemütlichen und sehr günstigen Hostel verbracht. Die Stadt selbst hat mit dem Parc des Chûtes, dem Aussichtspunkt am Place de la Croix, diversen überall verstreuten Kunstobjekten und nicht nur nach Häuserblock aufgeteilten Strassen auch einen gewissen Charme.
Der Nationalpark Bic ist auch relativ Nahe, deshalb habe ich noch einen kurzen Ausflug dorthin gemacht. Eigentlich wollte ich noch ein Velo mieten um ihn zu erkunden, aber diese Pläne haben sich in Luft, bzw. Schnee aufgelöst: die Vermietung ist bis zum ersten Schnee offen, der natürlich genau am Freitag kommen musste. Ich habe dann stattdessen einen Spaziergang auf den höchsten Punkt des Parks gemacht. Dort waren dann auch am Nachmittag noch gute 5cm Schnee übrig. Winterspaziergang im Oktober...
Île d'Orléans
Am Samstag habe ich dann noch zusammen mit Jasmin, die ich von Rivière-du-Loup nach Québec mitgenommen habe, die Chance genutzt die Île d'Orléans zu besuchen. Die Insel ist zwar direkt vor Québec, aber ohne Auto trotzdem nur schwer zu erreichen. Auf der Insel wird einige Landwirtschaft betrieben und wir konnten diverse lokale Produkte probieren. Die Erdbeersaison ist nun zwar so gut wie vorbei, aber ich hatte Glück und konnte noch die vermutlich letzte Schale des Jahres kaufen. Dafür gibt's nun an jeder Ecke tonnenweise Kürbisse für Halloween zu kaufen.
Fertig
Nach 6159km, 631$ für Benzin (das waren wohl etwa 460 Liter, oder etwas mehr als zwei Fässer), 905$ für Übernachtungen, 900$ für Essen, 175$ für Eintritte und etwa 300$ für sontiges Zeugs bin ich wieder zurück in Québec angekommen. Die folgende Karte zeigt so in etwa die besuchten Orte:
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