Peking. Was für eine Grossstadt. Etwa 22 Millionen Einwohner. Wer in der Schweiz über Stau und von Dichtestress jammert, der kennt Peking nicht und war vermutlich auch sonst noch nicht im Ausland. Strassen, U-Bahn, Trottoirs und die touristischen Highlights sowieso sind mit Menschen vollgestopft.
Trotz all den Menschenmassen funktioniert das System aber alles in allem doch recht gut. Günstiges Essen, spottbilliger und einfach zu benutzender ÖV (6 Rappen für eine Busfahrt, 29 für eine U-Bahnfahrt, egal wohin), alles an Läden vorhanden das man sich nur wünschen kann und so viele Attraktionen, dass man wohl auch nach einem Monat noch nicht alles durch wäre.
Der Rest des Beitrags ist in den kurzen Teil vor Nordkorea (den ich noch im Zug nach Pyöngyang geschrieben hatte) und den längeren Aufenthalt danach aufgeteilt. Die Eindrücke zwischen Tourteilnehmer und alleine unterwegs zu sein, sind schon sehr unterschiedlich.
Teil 1 – vor Nordkorea
Nach langen Vorbereitungen und Abschied nehmen ging es am Montag, 19. Mai 2014 mit Swiss von Zürich auf nach Peking. An diesem Punkt ganz herzlichen Dank an alle die mich bei der Planung und jetzt von zu Hause aus unterstützen!
Im Flugzeug konnte ich bereits mit den ersten Klischees über Chinesen meine Erfahrungen sammeln: Essen schlürfen, kein Wort Englisch zu sprechen, Anweisungen des Kabinenpersonals ignorieren. Umso überraschender war dann aber die Ankunft am Flughafen Beijing. Frische Morgenluft (wir kamen am Dienstag früh morgens an), kein Smog, einigermassen speditive Abwicklung von Zoll und Gepäckausgabe (trotz meinem bisher längsten Taxiing zum Gate und von dort zurück zum Ausgang) und allgemeinen viel sauberer als erwartet.
Nach einem kurzen Frühstück und umpacken habe ich mich auf den Weg zum Eingang der Verbotenen Stadt gemacht. Nach Aussage eines Mitreisenden ein Fussmarsch von etwa fünfzehn Minuten. Diese Angabe stellt sich schon relativ schnell als zu optimistisch heraus: der Weg durch die Hutongs, aber vor allem die ganzen Abschrankungen rund um den Platz des Himmlischen Friedens und die Verbotene Stadt machten den Weg zu einem Hindernislauf. So kam ich etwas zu spät zum mit Mel vereinbarten Treffpunkt und war nicht nur wegen der kurzen Verspätung nicht überrascht sie dort nicht anzutreffen.
Die verbotene Stadt selbst ist imposant. 999 Gebäude, riesige Innenhöfe, hunderte bis tausende von Chinesischen Touristen (und nur wenige Westler) die sich pro Minute durch die Stadt zwängen. Das Eintrittsticket zu bekommen, war etwas schwieriger als gemäss den (inzwischen) falschen Angaben im Lonely Planet. Statt direkt bei der Billettkontrolle werden die Tickets nun an Schaltern verkauft, die mit „Museum Tickets“ angeschrieben sind und so suggerieren, dass das Ticket nur für das Museum gültig ist. Zufällig habe ich dann am Eingang meine Reisegruppe wieder getroffen und bin mit ihr viel zu schnell durch die Stadt gelaufen.
Da wir nach dem Mittagessen bereits gegen 15 Uhr wieder im Hotel waren, haben einige von uns noch beschlossen das „Vogelnest“, das Leichtathletikstadium der olympischen Spiele 2008, zu besuchen. Mit dem Taxi waren wir für 54 Yuan (etwa 8 bis 9 Franken) über eine halbe Stunde unterwegs. Die Plätze rund um das Stadion waren mitunter die leersten der ganzen Stadt und ein schöner, relativ ruhiger Ort.
Am Mittwoch, 21. Mai waren wir noch kurz auf der grossen Mauer bei Mutianyu. Da wir den Zug nach Nordkorea erwischen mussten und pro Weg gut zwei Stunden benötigten, hatten wir trotz Benutzung der Gondelbahn (von All Nippon Cable aber mit CWA Kabinen) nur 45 Minuten Zeit zur Besichtigung. Egal, in der G-Adventures Tour ist genau dieser Abschnitt ja auch noch einmal dabei.
Teil 2 – Nach Nordkorea
Vom Flughafen zu meinem Hostel (City Walls Courtyard) zu kommen war ein kleines Abenteuer. Da es sich in einem traditionellen Hutong (chin. für „Schmale Gasse“) befindet, war ein Taxi von vornherein ausgeschlossen. Mit etwas Suchen und der tatkräftigen Mithilfe von Google Maps habe ich dann aber zum Zentrum des Labyrinths gefunden. Der Punkt dabei ist: wenn ich sonst irgendwo in einer Stadt in abgelegenen, engen Gassen unterwegs bin, insbesondere nachts, habe ich mich oft unsicher gefühlt. Das war hier nie der Fall – einerseits sind selbst in der vertieftesten Winkeln der Stadt Überwachungskameras angebracht, andererseits sind überall Menschen die einem zu Hilfe kommen würden. Zwar vielleicht nicht bei einem Taschendiebstahl, aber mit gefühlter Sicherheit bei einem Angriff.
Dass China kommunistisch sein soll, merkt man in den Städten nicht mehr wirklich: überall sind kleine und grosse Läden, Reichtum und Besitz sind sichtbar, alles ist voller Werbung. Wie schon beim kurzen Aufenthalt vor Nordkorea fällt die Sauberkeit oder zumindest die Bemühung dazu auf. Zwar nicht vergleichbar mit der Schweiz (und es wird gespuckt was das Zeug hält), aber nicht überall zerfallene Trottoirs und Sand.
Deutlich wird auch, dass sich die ganze Stadt für die Olympischen Spiele 2008 unglaublich herausgeputzt haben muss. Die meisten Strassennamen sind neben den chinesischen Symbolen auch noch in Pinyin (der romanisierten Version von Mandarin) angeschrieben, sämtliche U-Bahn- und einige Busansagen erfolgen auch noch in Englisch. Restaurants oder andere Läden sind da meist nicht soweit, aber mit „ich-will-das“-zeigen und auf Verkäuferseite die Geldscheine für den Preis zeigen klappt auch das gut – die Geduld hat bislang glaube ich bislang niemand verloren.
Ich habe mir in den insgesamt 2+13 Tagen (mit Ausnahme des Zoos) wohl alle grossen touristischen Highlights angesehen. Platz des himmlischen Friedens, die verbotene Stadt, Sommerpalast, Himmelstempel, verschiedene Parks, den Kunstbezirk, einen weiteren Teil der grossen Mauer (Jinshanling, mit einem grossen Stück das nicht vollständig renoviert ist), Silk Market, CCTV Tower (Lonely Planet: „an architects wet dream“), China World Trade Center (das derzeit höchste Gebäude der Stadt), Yonghegong Lama-Tempel, Konfuzius-Tempel (eindrücklich die ganzen Bücher auf Steinsäulen zu sehen), Peking University (dank sachkundiger Führung von Li Shun Yang, ein Jitsi GSoC 2014-Teilnehmer), Trommel- und Glockenturm, die Beihai-Seen.
Mein persönliches Highlight der Stadt ist der Yingshan-Park hinter der verbotenen Stadt. Von einem künstlichen Hügel aus, der durch die Aushebung des Wassergrabens rund um die verbotene Stadt entstanden ist, hat man einen fantastischen Ausblick. Am Tag bevor ich dort war, hatte es geregnet und die Luft war extrem klar. So war nicht nur die unmittelbare Umgebung gut sichtbar, sondern ganz Peking und im Hintergrund sogar die Berge.
Ich war froh die zusätzliche Woche vor dem Beginn der G-Adventures-Tour eingelegt zu haben. Zwei Tage auf eigene Faust und dreieinhalb Tage mit G-Adventures (in der viel zu viel Zeit mit Blabla verschwendet wurde), wäre definitiv zu wenig gewesen.
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